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Die Geschichte der Gemeinde Siegbach

Die Gebietsreform vom 1. Januar 1972 schloß die fünf Ortschaften Eisemroth, Oberndorf, Tringenstein, Übernthal und Wallenfels zu der Großgemeinde Siegbach zusammen. Diese hat heute (2013) ca. 2900 Einwohner und verfügt über eine Grundfläche von ca. 29 qkm. Fast 15 qkm Wald (51,2 %) bedecken weite Teile unserer Gemeinde.

Der Siegbach

Der SIEGBACH · Namensgeber der Gemeinde · erblickt bei Wallenfels unter den uralten mächtigen Buchen des Schelderwaldes das Licht der Welt und schlängelt sich gemächlich durch die mannigfachen Windungen des Tales hinunter bis zur Mündung in die Aar in Bischoffen. Dabei überwindet er bei einer Länge von 13 Km ein Gefälle von ca. 330 Metern.

Die fünf Ortschaften hatten schon seit Jahrhunderten kirchliche und verwaltungspolitische Gemeinsamkeiten: Anfang des 14. Jahrhunderts · damals noch unter dem Grafen von NASSAU - waren sie dem von diesen geschaffenen ·AMBT DRINGENSTEYN· unterstellt. Der im Auftrag des Grafen regierende AMTMANN residierte auf der BURG ZU DRINGENSTEYN. Das Amt wurde 1806 ein Opfer der napoleonischen Gemeindereform. Die kirchliche Einheit schuf GRAF WILHELM von NASSAU 1566 per Dekret, indem er die fünf Ortschaften zum KIRCHSPIEL EISEMROTH zusammenführte. Dabei ist es bis heute geblieben.

Landwirtschaft und Viehzucht waren von jeher die Ernährungsgrundlagen der Einwohner gewesen, dazu die von den KELTEN ins Leben gerufene Eisenerzgewinnung auf den Höhen und in den Schründen des Schelderwaldes. Ab dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts erlebte der Bergbau seine Hochkonjunktur. Alle Männer unserer Ortschaften · bis auf ein paar ·dicke· Bauern · fanden hier in den Zechen des Schelderwaldes ihren Lebensunterhalt. Etwa hundert Jahre später · 1973 · schloß jedoch die letzte Eisenzeche, die Grube ·Falkenstein·.

Auch die Landwirtschaft wurde mehr und mehr ein Opfer des Strukturwandels. Der Zugverkehr auf der 1902 eingeweihten Eisenbahnstrecke Herborn · Niederwalgern wurde Anfang Juni 2001 eingestellt.


Eisemroth

Eisemroth: ·Droben auf dem Kirchberg stehet die Kapelle, schauet still ins Tal hinab· (Zitat L. Uhland). Sie wurde im Jahre 1723 zu ihrer heutigen Größe und Ausdehnung erbaut, nachdem sie erstmalig 1393 urkundlich genannt wurde. Ihr mit 2 Meter dicken Mauern und Schießscharten ausgerüsteter WEHRTURM jedoch geht nach Auskunft des Bistums Limburg auf das 12. Jahrhundert zurück. Nicht weit entfernt steht die 1965 erbaute katholische Kirche. Am Nord-Westrand des Ortes entstand 1979 das neue Gemeindezentrum mit Gemeindeverwaltung, Bürgerhaus, Feuerwehrgerätehaus, Sporthalle und Grundschule. Letzere hat heute 163 Schüler und 7 Lehrer. Weiter hinauf im Tal befindet sich der Sportplatz sowie das neuerrichtete Naturerlebnisbad Siegbach. Erstmalig urkundlich erwähnt wurde ·ISMARODE· 1276.


Oberndorf

Oberndorf: ein kleines Dorf, mit großer Vergangenheit, welches im Jahre 2026 sein 1150 jähriges Jubiläum feiern kann, amtlich bestätigt durch das Hessische Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden. Das älteste der Siegbach – Dörfer! Erstmals dokumentiert und erwähnt im Jahre 876 im LORSCHER CODEX, dem Urkundenbuch des damaligen Reichsklosters Lorsch, an der Bergstraße. Hierin ist dokumentiert, dass zur Zeit des Abtes Thiotroch, also irgendwann in der Zeit von 864 bis 876, ein Erlaci (Erlacar) in oberendorph, in der Mark Erda, (also der erste, jemals genannte Oberndorfer), 3 Hofstätten und allen Besitz den er dort hatte, dem Kloster Lorsch als Schenkung vermachte.

Abseits der großen Verkehrsräume liegt das Dorf geborgen und fast versteckt zwischen einhüllenden Bergflanken, mitten im waldreichen Teil des Lahn-Dill-Berglandes. Sowohl herrliche Mischwälder und ein bequem zu erreichender Kranz von Bergen, als auch das „Auf der Spitze“ gelegene Naherholungsgebiet laden zu erholsamen Wanderungen, mit verlockender Fernsicht auf Rothaargebirge, Westerwald, Vogelsberg und Hohem Feldberg im Taunus ein. (Hier führt auch der neue „Siegbacher PREMIUM – Höhenweg“ entlang, einer der 14 Begleit- oder Rundwanderwege des LAHN-DILL-BERLAND-PFADES, der auch durch unsere Gemeinde Siegbach führt.)

Fachwerkbauten und Kratzputz verleihen dem Dorfkern heute noch ein ehrwürdiges Aussehen. Der massive Wehrturm der schlichten Dorfkirche, inmitten des Dorfes, stammt noch aus dem Jahre 1417, das etwas eng geratene Kirchenschiff wurde im Jahre 1670 erstellt d.h. angebaut. Die im Jahre 1908 erbaute „Neue Schule“ dient heute als Dorfgemeinschaftshaus. Ein reges Vereinsleben und die guten zwischenmenschlichen Beziehungen machen wie eh und je, unsere Siegbachdörfer auch in der heutigen Zeit absolut liebens- und lebenswert.





Tringenstein

Tringenstein: Das Dorf verdankt seine Entstehung dem von den Nassauischen Grafen im Jahr 1325 erbauten Burg. Stolz erhob sie sich droben auf dem heute SCHLOSSBERG genannten 536 m hohen Hügel. Einen herrlichen Rundumblick hat man dort oben hinüber bis ins Marburger Land, in den Taunus, den Westerwald und ins Siegerland.
Die Dillenburger Grafen erweiterten den anfangs bescheidenen, aber festen Burgbau · gegen die Landgrafen von Hessen gerichtet · im Laufe der folgenden Jahrhunderte bis zu einem weitläufigen und eindrucksvollen Schloß, das den Dillenburger Grafenfamilien zu gelegentlichen Aufenthalten mit ihren Gästen diente. Ansonsten residierte der hochwohlgeborene AMTMANN im Schloß, wo er auch die niedere Gerichtsbarkeit ausübte. Ein aus jener Zeit mit Zementbandagen künstlich aufrecht gehaltener ·Galgenbaum· ist noch der einzige Zeuge dieser amtmännischen Tätigkeit.

Mit dem Aussterben der Dillenburger Linie der Grafen von NASSAU sowie der Auflösung des ·AMBTS DRINGENSTEYN· 1806 verlor das Schloß seine Existenz. Es blieb lange unbewohnt, verfiel schließlich und diente den Schloßbediensteten und zugezogenen Bürgern als willkommener Steinbruch. Einige Mauerreste, eine sehr schöne Modellnachbildung des Schlosses sowie der herrliche Ausblick von dem nunmehr kahlen Schloßberg auf das breit hingestreckte Dorf und die weitere Umgebung sind als einzige Zeugen geblieben.
Die alte keltische und in napoleonischer Zeit neu befestigte HOHE STRASSE führt durch die gesamte Tringensteiner Gemarkung.


Übernthal

Übernthal: Im Jahre 1240 erstmalig urkundlich genannt. Inmitten des Dorfes steht das schönste und wertvollste Gebäude der Gemeinde: Ein 1781 von den Bürgern im Schweiße ihres Angesichts errichteter Schul- und Kirchsaalbau. Das mächtige Eichenfachwerk weist alle besonderen Baumerkmale jener Zeit auf: Der HESSICHE MANN, ANDREASKREUZE und kunstvolle Schnitzereien. Heute wird das schöne Gebäude als Dorfgemeinschaftshaus genutzt. Dicht daneben steht ein alter, aus dem 13. Jahrhundert stammender Massiv-Bau, bis 1781 als Kapelle und von da an bis heute als Backhaus genutzt.
Ein 1977 gegründetes HEIMATMUSEEUM zeigt in reichlichem Maße Gegenstände und Gerätschaften aus dem gesellschaftlichen Leben früherer Jahrhunderte sowie eine Mineraliensammlung mit örtlichen Funden aus der Vorgeschichte (Latenezeit, ca. 300 Jahre vor Christi Geburt). Ein Archiv mit Gesetzessammlungen rundet die Einrichtung ab. In einem schön gelegenen Seitental befindet sich ein Freizeitzentrum mit Schutzhütte, Waldspielplatz, Bolzplatz und einem Naturlehrpfad.


Wallenfels

Wallenfels: Das Dorf ist seit Jahrhunderten in seinem Bestand
fast unverändert geblieben: 12 Häuser und 70 Einwohner! Es verdankt seine Existenz dem Burgbau des hessischen Landgrafen HEINRICH I., etwa Anfang des 14. Jahrhunderts. Dieser wollte sein herrschaftsgebiet nach Westen erweitern, mitten hinein in das Interessengebiet der nassauischen Grafen.
Ab 1480 jedoch war die Burg · nachdem sie 1344 von den Nassauern erobert worden war · überflüssig und unbewohnt geworden, so das sie verfiel. Die Bediensteten · nunmehr ·steinreich· geworden · nahmen die Steine und erbauten um den Burghügel herum ihre Häuser. Zwölf an der Zahl!

Herrlich romantisch liegt das Dorf inmitten uralter Walddistrikte. Zu erreichen ist es über eine mit 15 Kurven bereicherte, links und rechts mit dichten Wäldern begleitete und durch ein enges Wiesental führende Straße, 6 Km Länge, von Eisemroth heraufkommend.

Eine ganz besonders liebenswürdige Publizität wurde dem Dorf durch einen Herborner Postboten zuteil, der in jeder Woche einmal zu Fuß dorthin marschieren mußte. Eines schönen, aber glutheißen Sommertages · Ende des vorletzten Jahrhunderts · trottete er pflichtgemäß den holperigen Weg hinauf (die Straße war noch nicht ausgebaut und die Orientierung demzufolge war wohl mehr Glücksache).
Er hatte wohl die Hälfte der 15 Kurven hinter sich gebracht, da setzte er sich resignierend an den Wegesrand, wischte sich den Schweiß von der Stirn und machte seinem malträtierten Innenleben Luft, indem er mit seinem ganz persönlichen Zungenschlag in den Schelderwald hinein schrie:

·Desch gewittersch WALLEFELSCH! Desch leit bahl häj, bahl do!·

O. Thielmann